Aussaat und Anbau von Chilisamen


"Die Zeit, die Du im Garten verbringst,

ist niemals verloren."

alte niedersächsische Bauernweisheit

Da Chilipflanzen recht lang zum Ausreifen der Früchte benötigen, ist die ideale Anbauzeit bereits Ende Januar. Einfach die Samen im Abstand von ein paar Zentimetern und einer Tiefe von 0,5 cm in die Erde geben. Das ganze bei einer Temperatur von 25° bis 30° ab und zu mit Wasser besprühen. Ich nehm dazu immer eine handelsübliche Sprühkanne. Das wirbelt die Erde nicht so sehr auf. Aber Achtung - nicht überwässern ! Um die Temperatur auch im kühlen Frühjahr zu halten, nutz ich ne handelsübliche Heizmatte mit einer Leistung von 10 Watt, die ich gebraucht für ganz kleines Geld aus'm Reptilienhobbyhandel gekauft habe. Dann heißt es Geduld! Nach ca. 14 bis 20 Tagen kommen die ersten Sämlinge. Die Joe´s Long Cayenne keimt meist als Erster. Carolina Reaper und Bih Jolokia Yellow erwachen erst später.

Die Sämlinge benötigen dann vorranging Sonnenlicht. Jedoch ist das im Frühjahr mit der Sonne so eine Sache. Meist ist in Deutschland nicht viel davon zu sehen. Ich nutze zur Aufzucht ein Pflanzlicht. Das hat nicht viel gekostet und passt in eine Standart E27-Nachttischlampen-Fassung rein. In Verbindung mit einer Zeitschaltuhr kommt da ein ganz passabler Wachstumseffekt bei rum. Beleuchtet werden die Sämlinge dabei 14 Stunden am Tag aus einer Entfernung von ungefähr 60 cm.

 

Eine effiziente und gleichzeitig preiswerte Lösung ist der Bau einer GrowBox. Ganz einfach herzustellen und ohne viel Platzbedarf, könnt Ihr Eure Sämlinge hier unter künstlichen Bedingungen Jahreszeit-, Wetter- und Außentemperaturunabhängig heranziehen. Mit einem großen Pappkarton, einem Pflanzlicht mit Zeitschaltuhr, einer Heizmatte  und ein wenig Bastelgeschick ist da in kurzer Zeit schon was Brauchbares entstanden. Die Innenwände können jetzt noch mit Spiegelfolie (oder Alufolie) ausgekleidet werden. Das sollte die Lichtausbeute, dank Reflektion, erhöhen. Damit die Wärme in der Growbox bleibt, kann auch eine Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Kasten als Innenverkleidung genutzt werden. Achtung - silberne Seite nach Innen und goldene Seite nach Außen.

Nicht zu Vergessen ist das Anbringen eines Temperaturfühlers im Inneren der Growbox. Die Anzeige sollte idealerweise außerhalb angebracht sein. Dann müsst Ihr nicht immer die Box öffnen um die Temperatur zu kontrollieren.

Wenn die Pflanzen dann größer sind, pack ich Sie einzeln in kleine Töpfe. Trink- bzw. Joguhrtbecher gehen natürlich auch. Das nennt man Pikieren bzw. Vereinzeln. Wichtig ist aber, dass überschüssiges Wasser abfliessen kann. Also nicht vergessen, in die Becher vorher ein kleines Loch zu bohren und das Ganze auf ein altes Handtuch oder andere saugfähige Materialien stellen.

Zum Aufstellen auf der Fensterbank haben sich die Joghurt-Transportverpackung aus dem Supermarktregal als ideal herausgestellt Da passen 20 Becher rein und nix kann umfallen.

Auch ein schneller Transport der Pflanzen ist damit kein Problem.

Damit ich auch beruhigt in den Urlaub fahren kann, schliesse ich jetzt zusätzlich eine Billig-Baumarkt-Gartenpumpe an die Zeitschaltuhr an. Die Pumpe versenke ich in einem großen Eimer voller Wasser. Über einen an die Pumpe angeschlossenen Schlauch werden einmal am Tag alle Pflanzen für eine Minute gewässert. Wichtig ist, dass aus den Löchern im Schlauch auch Wasser herauskommt. Die Löcher müssen relativ groß sein!

Einfach vorher mit leeren Töpfen nen Probelauf starten.

 

Alternativ kann man aber auch dem Nachbarn nen Gießauftrag geben.

Ist es auf dem Balkon auch Nachts über 15°C, werden die Pflanzen in große Pflanzkübel oder Balkonkästen umgetopft. Meine Kübel haben nen Durchmesser von 32 cm. Größere gabs im Baumarkt nicht. Bei den Balkonkästen hab ich die Erfahrung gemacht, max. zwei Pflanzen pro Kasten anzupflanzen. Drei sind einfach zuviel !

Bei guter Sonneneinstrahlung wachsen die Pflanzen enorm. Da heißt es mindestens jeden zweiten Tag kräftig gießen und alle zwei Wochen ein wenig Bio-Baummarkt-Dünger mit ins Gießwasser. Aber immer drauf achten, daß überschüssiges Wasser unten wieder aus dem Balkonkasten bzw. Pflanzkübel läuft !

 

 

Noch bessere Wachstumsvoraussetzungen bietet natürlich der Anbau in einem Gewächshaus. In Verbindung mit meist preisgünstigen Angeboten beim lokalen Baumarkt, lässt sich so ziemlich jede "Stellschraube" des Gewächshausklimas beherrschen.

So bietet sich gegen Hitzestau automatische Fensterheber an. Einmal fein eingestellt, öffnen oder schließen diese die Belüftungsfenster - und alles ganz ohne Spannungsversorgung.

Auch eine via Zeitschaltuhr automatiserte Bewässerungsanlage nimmt dem cleveren Chilibauern, besonders im Hochsommer, viel Arbeit ab.

Einen Monat vor der Ernte ist dann Wasser- und Dünger Diät angesagt.

Nur noch soviel wie nötig! Das hat den Effekt, dass die Früchte an Schärfe zulegen.

Wer das nicht will - gießt weiter.

Sind die Früchte dann schön kräftig rot bzw. gelb, ist es Zeit die Ernte einzubringen.

Aber die Einweghandschuhe nicht vergessen anzuziehen !!!

Die Verarbeitung der Früchte ist sehr vielfältig. Die ganz scharfen Sorten (Reaper und Bih Jolokia) werden geviertelt und für 2,5 Stunden bei 80°C Ober- Unterhitze im leicht geöffneten Backofen getrocknet. Dabei sollte die Küche ständig gelüftet werden!

Danach in ne leere handelsübliche Pfeffermühle füllen und fertig ist die Chilimühle.